Deskjockey - nein danke!

Doris Greif übernimmt zum 1.Oktober 2014 die Leitung des Jumeirah Hotels in Frankfurt am Main. Alexander Wischnewski hatte die Münchnerin 2013 interviewt

Doris Greif spielt seit 13 Jahren in der Champions-League. Die Bayerin wurde 2000 der erste weibliche Hoteldirektor in den Arabischen Emiraten. Doch sie lebt und arbeitet eit mehr als 25 in der weltweit wohl am heftigsten boomenden Region. Heute führt sie fast 1.000 Mitarbeiter im 5-Sterne Business- und Kongresshotel Jumeirah at Etihad Towers. Als Mädchen lernte sie schon, sich gegen Jungs durchzusetzen. Beim Fußballspielen in Unterhaching. Sie war Mittelstürmerin mit Turnschuhen. Die Jungs spielten barfuss. „Die haben nie ganz so heftig attackiert. Und umgekehrt, hat sie die Jungs hart rangenommen? „Na dös kannst aber glauben“ antwortet Doris Greif auf gut Hochbayerisch. Obwohl sie längst Arabisch spricht.

Dezember 1989: Doris Greif schaute, wie schon so oft, an die Wand der Personalkantine im Münchner Park Hilton. Ihr Blick fokussierte sich, wie damals üblich, auf die am Schwarzen Brett ausgehängten Stellenausschreibung: Hilton/Dubai, suchte eine Reservierungsleiterin. Doris bewarb sich. Im Januar darauf hatte sie den Job und war bald für die von Dubai aus gemanagte Region Afrika und Middle East zuständig. Doris war 8 Monate im Jahr für Hilton unterwegs. Das war ihr dann doch zu viel.

Je weiter man nach oben kommt, desto teurer werden die Fehler!

Ihr einziger, aber auch letzter großer Fehler, den sie damals persönlich als Katastrophe empfunden hatte, passierte ihr, als sie noch Reservierungsleiterin im Dubai Hilton war. Es war kurz vor der Air Show. Doris hatte mit dem DER einen Vertrag gemacht. Damals noch von der Sekretärin schön auf der Maschine getippt. „Ich habe ihn kurz überflogen, aber eben nicht jedes Detail durchgelesen. Dann kam die Buchungsbestätigung zurück und sie stellte fest, dass die teueren Executive Club Zimmer zu Preisen der preiswerteren Standardzimmer verkauft worden waren und umgekehrt: 300.000 Dirham Umsatzverlust drohten. Kein Pappenstiel! Gesenkten Hauptes sprach sie bei ihrem Chef und Mentor Gerhard Hardick vor. Aber der lachte nur, griff zum Telefonhörer und mit einem Telefonat nach Deutschland hatte er alles gerade gebogen. Dann die Ansage an Doris: „Unterschreibe im Leben nichts, was Du nicht Buchstabe für Buchstabe durch gelesen hast!“ Doris ist so etwas nie wieder passiert.

Gummistiefel, Jeans, T-Shirt und Bauhelm gehörten in ihrer Karriere immer wieder zum täglichen Outfit der Bayerin. Zuletzt für mehr als 18 Monate. Immer wieder Inspektionen, Gespräche mit den Bauleitern. Man sieht den Bau als Rohbau wachsen, kennt bald jeden Quadratzentimeter. Sie würde ungern ein fertiges Hotel übernehmen. „Ich habe gerne im Dreck gewühlt“, erklärt sie. Falls gepfuscht wurde, weiß man wo und kann sofort korrigieren. „Wenn man ein Hotel vom Fundament her kennt, ist es ist leichter und macht dann später auch mehr Spaß, es zu managen.“

Welche Quote?Frauen an die Macht? Frauen sind längst an der Macht. In einer Welt, von der man gerne annimmt, dass Frauen beruflich und sozial benachteiligt sind. Aber das hält für Doris Greif für einen Irrglauben. Sie ist stolz darauf, dass ihr 18-köpfiges Manager(innen)-Team fifty-fifty aus Männern und Frauen besteht. Und dass niemand aus ihrem Team die Company verlassen hat. Das zeichnet sie als Führungskraft aus. Andererseits ist Jumeirah auch ein guter Arbeitgeber, da haben es andere schwer mit dem Abwerben. Das Wichtigste ist für sie, dass die Chemie stimmt. „Hier habe ich nun mein absolutes Dream-Team gefunden!“ stellt sie fest. Vor allem die Pre-Opening Phasen sind sehr hart, weil man sich um ganz andere Dinge kümmern muss, als in einem laufenden Hotelbetrieb.“ Sie hat sich geschworen, vor allem Frauen gegenüber, niemals ein Chef zu sein, der von oben Druck ausübt. „Man muss die Talente sich entfalten lassen, wie eine Blüte. Natürlich muss ich als Chefin durchgreifen, aber immer gradlinig und fair. Wir sind auch hier vor und während der Eröffnung durch dick und dünn, gegangen, das schweißt zusammen.“

Ham’mer Dirham.Scheich als Besitzer hin, Scheich als Geldgeber her. Gibt es Budgetdisziplin, der sie folgen muss? Ja. Sie muss sich Zeit nehmen, um auszusuchen, zu verhandeln. Anbieter gibt es genug. Wenn ein Lieferant zu teuer ist, dann gilt: „Wenn Du es mir um diesen Preis lässt, dann sind wir im Geschäft. Die meisten waren so clever, flexibel zu sein. Wenn man zu den Lieferanten eines Hotels der Weltklasse wie dem Jumeirah at Etihad Towers gehört, dann ist das eine ausgezeichnete Werbung. Eine andere notwendige Erfahrung: Der „Owner“ muss mitziehen. Man muss ihn, der da mitzieht, auch in scheinbar unwichtige Entscheidungen mit einbeziehen. Scheich Suroor Bin Mohammed Al Nahyan. von der „Ruling Familiy in Abu Dhabi“ hat genau das erfahren.

Mitten drin muss schon sein.Doris Greif plant ihre Zukunft nicht. „Ich bin ledig und habe keine Kinder, also da habe ich schon relativ große Freiheiten“. Wichtig ist für sie, dass es ihren Eltern gut geht. Sollte sich da etwas ändern, würde sie sofort nach Bayern zurückkehren. Das weiß ihr Arbeitgeber. Aber sie möchte schon noch ein paar Jahre in Abu Dhabi bleiben, weil sie sich in dem Emirat und bei Jumeirah äußerst wohlfühlt. Sie hat habe keinerlei Ambitionen in Richtung Geschäftsführung. „Ich will kein „Deskjockey“ werden. Ich brauche Leute um mich herum, muss mitten im Geschehen sein. Ja, ich bin eine absolute „Rrrrampensau“, schnurrt sie in schönstem Bayerisch.

Heute hat sie eine Fünf-Tage Woche. In der Eröffnungsphase waren es allerdings sieben. Wohnt sie im Hotel? Ein klares Nein. In der Nähe des Hotels. Für ihre Freizeit verlangt sie ein striktes Privatissimum. Wenn der GM im Hotel wohnt, „dann werden die Mitarbeiter entscheidungsfaul. Und wenn man im Hotel lebt, dann war’s das mit der Privatsphäre.!“ Denn jeder weiß wann sie geht, mit wem sie geht, wann sie zurückkommt. Erklärt sie kurz und knapp.

 Durchgefärbter FC Bayern-Fan.Sie kann, wie sie zugibt, unheimlich faul sein. Mal einen ganzen Tag vertrödeln. Zwei Hobbies hat Doris Greif neben der Leidenschaft für den FC Bayern, dessen Spieler sie schon seit Jahren kennt, weil die oft in Dubai oder Abu Dhabi Trainingslager hatten. Hobby Nummer 1: Ihr neues „Maserrrrati“ (sie rollt das R so wie dessen Motor im Leerlauf gurgelt) Coupé mit dem sie offen, windumweht über die sonnenbestrahlten breiten Highways der Emirate fährt. Hobby Nummer 2: Sie wechselt aus dem röhrenden Maserati in die Welt die Meeresstille. Sie hat den Tauchschein und als Gegenbewegung zum beruflichen Höhenflug gleitet sie in die stillen Tiefen des Indischen Ozeans.

Die Karriere: München Park-Hilton Hotel. Ab 1990 in den Vereinigten Arabischen Emiraten, u.a. als Area Director, Front Office Operations – Middle East & Africa für Hilton International. Ab 1999 im Jumeirah Beach Hotel tätig,. Ab 2000 General Manager des Jumeirah Beach Club Resort & Spa. Ab 2004 GM des Jumeirah Emirates Towers in Dubai. Anschließend managte sie das Pre-Opening Team von Jumeirah’s erstem Hotel in Schanghai. Nach einer 18-monatigen Zwischenstation als Chief Operating Officer – City Operations für das Dubai International Financial Centre kehrte sie zu Jumeirah in der Funktion des General Managers (Budgetverantwortung ca. 90 Millionen Euro p.a.)des Jumeirah Etihad Towers (Gesamtbaukosten für den gesamten Bürokomplex 1,2 Mrd. USD) zurück, das 2011 in Abu Dhabi eröffnen wurde. September 2014: Doris Greif wird zur neunen General Managerin des Jumeirah Frankfurt und zum Vice President für Europa der Luxushotel-Gruppe. Sie tritt ihre neue Position am 1.Oktober 2014 an.

Ihr Nachfolger in Abu Dhabi als General Manager wird ihr bisheriger Stellvertreter Stefan Fuchs. Bericht folgt

Zurück

Einen Kommentar schreiben